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Fakelaki in Bavaria von Karin Brandl

 Fakelaki schmierte nicht

Fakelaki heißt auf Griechisch „kleiner Briefumschlag“. Man sagt das mit Augenzwinkern, denn in kleinen Briefumschlägen stecken oftmals große Scheine. In Griechenland ist Geben und Nehmen gleichermaßen selig und beide gehören schlicht zum Alltag. Nichts Verwerfliches, im Gegenteil.

Ohne Fakelaki geht dort gar nichts - Arbeitsstelle, Baugenehmigung, Vertragsabschluß, ja sogar das Zimmer im Krankenhaus gibt‘s für die Omi erst, wenn die Familie der Krankenschwester ein Fakelaki in die Schürzentasche stopft. Und auch der späte Termin für‘s Röntgenbild läßt sich so noch zurechtrücken. Wohl dem, der geben kann. Tut er es nicht, na dann ... muß er eben warten.

Fakelaki kannten wir nicht, als wir das Elternhaus übernahmen. Wir dachten auf gut Deutsch an eine überschaubare, bürokratische Rasterung, gemäß dem Millimeterpapier deutscher Verordnungen und Gesetze. Man müsse sich da eben durchfieseln, dachten wir. Weiter nichts.

Voll auf diesem Kurs übersahen wir vielleicht die Zeichen, welche wahre Wunder hätten wirken können? Waren wir nur begriffsstutzig, als die Genehmigungen sich hinzogen? Hätten wir den überflüssigen, teuren Kanalschacht elegant in ein winziges Fakelaki umtauschen können?

Vielleicht waren die Sondernutzungsgebühren für das Liegen des Kanals in der Straße, nichts weiter als ein Wink mit dem Zaunpfahl, den wir nur deshalb nicht verstanden, weil wir kein Griechisch sprechen?

Und wäre bei der Blockierung unserer Kanaltrasse das richtige Gebet erhört worden? O Sankt Fakelaki bitt‘ für uns, bitte sehr, dann geht‘s auch gleich? Wer weiß ...

Doch wir murmelten gesetzestreu den Rosenkranz. Ist nicht alles andere des Teufels Zeug? Ja, wir glaubten damals noch an einen sauberen Herrgott!

 

Aber ich habe einen Traum, und der tröstet mich.

In meiner Phantasie hat jemand Fakelaki bezahlt, um für sich etwas zu erreichen. Jemand der hoffte, zum Zug zu kommen, wenn zuerst mal wir, wegen allzu schwierigen Kanalbaus, in die Flucht geschlagen wären.

Er wollte verhindern, dass wir allein mit hölzerner Hartnäckigkeit und im Glauben an das gute Recht, alle auferlegten Schwierigkeiten meistern. Und vor meinem geistigen Auge wandern gar Dutzende kleiner Briefumschläge aus dieses Jemands Hand in Bürokratentaschen, die Köpfe nicken - „ja, da machen wir was“.

Nix war‘s! Dreizehn Feen schützten uns. Fakelaki schmierte nicht, denn das Gute mußte siegen. Doch das wahre Ende von dem Lied, das mich so diebisch freut, ist etwas anderes. Wo steht das Gesetz geschrieben, dass ein Fakelaki bei Nichterfüllung voll zurückerstattet wird?


Bürokraten können schaden

 

Bilder Texte© Karin Brandl, Alchima®