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Stadt Augsburg eiert jahrelang herum bei Abwasserentsorgung der Kleingartenanlagen im Trinkwasserschutzgebiet

Technisch machbar - die Toilettenanlage (roter Punkt) auf dem städtischen Grundstück, beim Wohnhaus (gelber Punkt) an die Kanalisation anzuschließen. Die Stadtentwässerung Augsburg schlug dies 2004 vor, konkretisierte es jedoch nicht. Die Stadt Augsburg hätte den privaten Kanal in ihr Kanalnetz übernehmen können, und alles mit anschließen was sie will. Doch sie wollte offenbar die Kleingartenklos trotz Trinkwasserschutzgebiet, nicht an die Kanalisation anschließen. 

Der private Kanal für das Wohnhaus wurde fertiggestellt. Über den damaligen Stadtrat Reiner Erben (GRÜNE, aktuell Umweltreferent) unterbreitete der Kanaleigentümer die Anschlußmöglichkeit nochmals. Herr Erben leitete dies damals an Kleingarten- und Grünamtsleiterin Dobner weiter. Doch das Angebot blieb unbeantwortet.

Im November 2008 beantragte jedoch der Stadtverband Haunstetten der Kleingärtner e.V. ohne vorherige Absprache mit dem Eigentümer des privaten Kanals, bei OB Gribl auf der Bürgerversammlung in der TSV-Halle Haunstetten einen Anschluß seiner Toilettenanlagen an den privaten Kanal des Wohnhauses. Zum allgemeinen Erstaunen sagte OB Gribl vor 250 Besuchern: “Bedenken Sie, ob sie das wirklich wollen, da kommen Kosten auf Sie zu.”

Trotz Trinkwasserschutzgebiet war der Kanalanschluß für diese Kleingartenanlagen politisch nicht gewollt!

 

2009 kalkulierte dann die Verwaltung in einer Beschlußvorlage (09/00545) horrende 630 000 Euro für 1005 m benötigte Abwasserleitung der Kleingartenanlagen (Bild) Brunnenbach, Brunnenbachwiesen und Lochbachgärten Süd. Und dies obwohl die Stadt gut ein Jahr zuvor in unmittelbarer Nähe die drei Alpenblick-Kleingartenanlagen mit ca. 750 m Abwasserleitung für 160 000 Euro an die Kanalisation angeschlossen hat.

Warum sollte am Brunnenbach der Kanalanschluß nun das Dreifache kosten! 

Auf meine Anregung hin thematisierte die Augsburger Allgemeine diese Diskrepanz im Artikel von Ines Lehmann - Bürger schauen der Stadt auf die Finger* - vom 25.2.2010. Der damalige CSU-Umweltreferent Rainer Schaal war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. - Warum wurde so hoch gepokert? Was passiert mit den Mitteln des Steuerzahlers? Wollten die den Abwasserkanal auf St. Nimmerlein verschieben?    

Schließlich rechtfertigte sich Umweltreferent Rainer Schaal in der Zeitung, im Artikel von Ines Lehmann - Beschlüsse liefern lediglich Richtwerte* - vom 4.3.2010, zu dem dann mein nebenstehender Leserbrief erschien.  

Tatsächlich zögerte die Stadt Augsburg durch zu hoch kalkulierte Kosten den beschlossenen Kanalanschluß immer weiter hinaus. Und 2011 wurde der Grünland-Beschluß von 1993 öffentlich bekannt gemacht. Da ging vielen Gartenbesitzern ein Licht auf und sie wurden sensibilisiert für die Gefahr einer Beseitigung ihrer Gärten. Die Stadt Augsburg aber eierte beim Kanalanschluß weiter herum.

Und bis heute (2018) fehlen im Trinkwasserschutzgebiet zur Abwasserentsorgung noch Kanalanschlüsse bei städtischen Grundstücken.

  

Schutzzone W III a1, östlich der Martinistraße Augsburg - Haunstetten. Der Augsburger Stadtrat beschloß 1993 als Zielsetzung die „Umwidmung in Grünflächen”, was die Beseitigung der Kleingärten zur Folge hätte.

Im Trinkwasserschutzgebiet müssen Gebäude lt. Verordnung an die Kanalisation angeschlossen sein, anderenfalls können sie “für den Wasserschutz” beseitigt werden. Sammelgruben gelten nicht als geordnete Abwasserentsorgung. Auch Bio-Kleinkläranlagen sind verboten. Ebenso die Versickerung oder Einleitung des gereinigten Restwassers in den Bach. Dies bestätigte auf Anfrage das Bayerische Umweltministerium.                                                     

Leserbrief zum Artikel Beschlüsse liefern lediglich Richtwerte erschienen am 11.3.2010 Augsburger Allgemeine

Beschlüsse als Luftnummern?

Was gelten Beschlüsse des Augsburger Stadtrates und weshalb sollten darin genannte Berechnungen realistisch sein? Umweltreferent Schaal nimmt es offenbar nicht so genau, denn er legt überhöhte Zahlen zur Abstimmung vor und räumt ein, dass er kein Ingenieurbüro beauftragen wollte „das einen genauen Kostenvoranschlag erstellt“. Doch er bräuchte keinen Ingenieur.

Der Erfahrungswert für den Kanalanschluß der Kleingartenanlage Alpenblick beträgt 220 Euro Kosten pro Meter. Stattdessen werden in der Beschlußvorlage Kosten von 500 Euro für Alpenblick genannt. Für die vergleichbaren Anlagen am Brunnenbach wird ein Phantasiepreis von mehr als 600 Euro veranschlagt. Soll der Beschluß eine reine Luftnummer sein?

Wenn die Stadt ohnehin kein Geld für Abwasserkanäle im Wasserschutzgebiet ausgeben will, dann erübrigt sich das beschlossene Programm. Doch der Beschluss mit seinen „Richtwerten“ ist nun mal da! So wird es der Verwaltung ermöglicht - mit Zustimmung des Stadtrates - Aufträge zu überhöhten Preisen zu erteilen. 


Kommt der Kanal? 

Ewige Planung der Stadt Augsburg - Kanalanschluß für die Kleingärten im Trinkwasserschutzgebiet kommt jedes Jahr in der Zeitung

Nach der Bürgerversammlung 2008 veranschlagte die Verwaltung für Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) horrende 630 000 Euro für einen extra Kanalanschluß dieser Kleingartentoiletten und diese Planung wurde 2009 vom Stadtrat beschlossen.

2012 gab es wieder einen Beschluß, diesmal sollte das gleiche nur 200 000 Euro kosten. Es folgten weitere Beschlüsse und Zeitungsartikel, die den Kanal immer wieder ankündigten. Aber er wurde nicht gebaut.

Für ein Lampenrohr war 2012 Geld da!

Statt des geplanten Kanals, verlegte die Stadt Augsburg im Grünstreifen neben dem Kleingartenweg 2012 im November 400 m Leerrohr für eine Beleuchtung (geschätzte Kosten mindestens 60 000 Euro).

Die Haunstetter Kleingärtner freuten sich auf dem damaligen haunstetten.info mit Fotos und einem Artikel*, dass am Kleingartenweg ein Licht aufgeht. Doch sollte dort nicht der Kanal hinein? Warum hat man das Kanalrohr nicht gleich mitverlegt?

Weitere Ankündigungen des Kanals

Im Mai 2013 kündigte Umweltreferent Schaal (CSU) den Kanalanschluß-Beginn für Herbst 2013 an. Allerdings wurden die Kosten nochmals neu geplant und auf 258 000 Euro aufgestockt. Im Frühjahr 2014 sollte er dann fertig sein.

Daraus wurde nichts - Ende April 2014 gab es keinen Kanal und keine Lampe.

Ob die Stadt das Lampenrohr schon vergessen hat?  -  Umweltreferent Schaal kündigte nun den Kanal für Herbst 2014 an und im übrigen wurde er am 2. Mai 2014 von Reiner Erben (GRÜNE) als Umweltreferent abgelöst.

Im Herbst 2014 wurde die Kanalisation nicht realisiert, aber in der Zeitung wurde sie für 2015 schon mal angekündigt ... 

Auch 2015 wurde der Kanalanschluß nicht hergestellt.

Umweltreferent Erben (GRÜNE) und Stadträte kündigten Dezember 2015 in der Presse die Herstellung der Kanalisation für Frühjahr 2016 an ...

Wir sind gespannt.

 

Und siehe da - er kam. Wer hätte das gedacht?

 

 

Am Kleingartenweg wurde die Abwasserleitung eingepflügt  Dabei schredderte man das 2012 verlegte Lampenrohr.

 

 

 

*die im Text genannten Zeitungs und Online-Artikel liegen vor

2012 -  Lampenrohr statt Abwasserkanalisation

Im November 2012 verlegte die Stadt Augsburg 400 m Leerrohr für eine Beleuchtung am Kleingartenweg. Dort ist auch der Kleingartenkanal geplant. Warum hat man das Kanalrohr nicht gleich mitverlegt?

Oben das geschredderte Lampenrohr. 2012 verlegt, war es 2016 beim Kanalbau im Weg - mind. 60 000 Euro - wusch!

Und noch immer steht am Kleingartenweg in Augsburg-Haunstetten keine einzige Lampe, obwohl nach der Zerstörung ein neues Lampenrohr eingezogen wurde.

Wahrscheinlich ist jetzt erst mal das Geld aus. 

Aber in Augsburg haben wir tolle Sparfüchse! Das Lampenrohr doppelt zu verlegen war angeblich billiger, als eine andere Trasse für den Kanal zu wählen. Toll! 


© Texte, Bilder - Karin Brandl, Alchima           Datenschutz